logo2

Interview mit Paul McKenzie

( The Real McKenzies )

by euSKAdi , 2008

Skalender:

Hallo und willkommen zurück in der Schweiz! Wie fühlst du dich, wieder hier zu spielen?

Paul McKenzie:

Wir lieben die Schweiz! Immer wenn wir hier her kommen, werden wir sehr gut behandelt. Die Luft ist auch sehr gut hier und ich liebe die Berge. Und immer wenn wir hier spielen, spielen wir sehr gut. Klingt verrückt und ich habe auch keine Ahnung, warum. Es ist immer sehr nett hier zu spielen und immer wenn ich die Schweiz sehe, wenn wir auf Tour sind, rufe ich "allo, Schweiz!" Wirklich alles ist gut hier, auch das Bier!

Skalender:

Was für Erinnerungen habt ihr an die letzten Shows, die ihr hier gespielt habt?

Paul McKenzie:

Ich erinnere mich an eine grosse Statue in Solothurn und als ich das nächste Mal wieder in Solothurn war, hat jemand den Penis von der Statue abgebrochen. Das nächste Mal als ich dann kam, war alles wieder wie zuvor. Das sind meine Erinnerungen! Und auch die Shows waren immer sehr gut! Wir hatten hier immer eine sehr gute Zeit.

Skalender:

Manchmal spielt ihr vor tausenden von Menschen und manchmal vor einem sehr kleinen Publikum. Was zieht ihr vor und was sind die Unterschiede, die ihr auf der Bühne spürt?

Paul McKenzie:

Natürlich sind die Shows in den kleinen Clubs viel intensiver, aber wir spielen auch gerne vor 20'00 Leuten, weil das sehr viel Energie gibt. Wir spielten gestern vor 10'000, nein sogar 12'000 Leuten und das war schon sehr cool. Aber egal, wie vor wie vielen Leuten wir spielen, wir geben immer alles! Aber es ist halt schon ein grosser Unterschied, wenn du sagst: "Hey, hebt eure Arme hoch!" und einer vor dir hebt die Arme hoch oder ob dann tausende von Leuten ihre Arme hoch heben. Aber egal ob grosse Shows oder kleine Shows, jedes Konzert ist wichtig! Alle von uns haben eine sehr professionelle Einstellung und geben sich immer Mühe. Klar, es passiert immer Scheisse: Eine Saite reisst oder jemand verhaut einen Akkord. Aber was zählt, ist die Einstellung!

Skalender:

Ihr habt letztes Wochenende am Mighty Sounds Festival in Tschechien gespielt (eines unserer Lieblingsfestivals). Was waren eure Eindrücke von diesem Festival? Ich denke, ihr hattet vor allem Freude an den Bierpreisen?!

Paul McKenzie:

Dort waren extrem viele Leute und es gab sehr gutes Bier, viele gute Sachen zum Essen.. Es war wirklich genial, wir wurden dort wie Könige behandelt! Und von der Zeit, als wir auf der Bühne waren sind mir auch viele Dinge geblieben. Eine Sache war zum Beispiel das ein elfjähriger Junge, der Sohn des Promoters, Geburtstag hatte: sein Name ist Bart. Und ich holte ihn auf die Bühne und sagte: "Sag was auf tschechisch, Bart!" Und er sagte:"Hi!" - Etwas anderes, an das ich mich von dieser Show erinnere ist, dass eine schwarze Wolke über dem wunderschönen Vollmond war und dann verschwand die Wolke plötzlich und das lenkte mich total vom Text ab. Ich bin ein Space-Freak, weisst du. - Und einmal als ich mich umdrehte und diese riesigen Screens sah, so um die drei Meter grosse Bilder, zeigte ich meinen Arsch, so dass alle meinen Arsch sehen konnten - Huge fuckin Real McKenzie Ass!

Skalender:

In welchem Land spielt ihr am liebsten und wo gefällt euch die Mentalität des Publikums am meisten?

Paul McKenzie:

Das ist eine sehr schwierige Frage. Ich würde sagen dass die meisten Orte und die meisten Leute überall gleich sind. Klar gibt es politische und gesellschaftliche Unterchiede, aber schlussendlich sind es überall einfach Punkrockers auf der ganzen Welt, die die gleichen Ideen teilen! Also würde ich sagen dass mein liebstes Land eigentlich alle Länder sind! Jedes Land hat so seine schönen Seiten. Und ich muss sagen, dass ich wirklich Glück habe! Normalerweise würde es extrem viel Zeit dauern, um in jedem Land die Clubs und die Szene zu suchen und da rein zu gehen. Aber immer wenn ich dort bin, bin ich mitten im Zentrum! So erlebe ich Punkrock rund um die ganze Welt! Es ist wirklich schwer zu sagen, welches mein liebstes Land ist weil das ist, wie wenn man mich fragen würde, was meine liebste Farbe sei. Wenn man nur eine Farbe hat, bricht auch das ganze Spektrum zusammen!

Skalender:

Wie sind die ersten Reaktionen und Impressionen zu eurem neuen Album von Bands oder von den Fans?

Paul McKenzie:

Ich habe keine Reviews vom Publikum gehört und auch keine Reviews in Magazinen oder so gelesen. Aber die Leute haben das Album gehört und kommen zu den Shows. Und ich denke sie kommen zu den Shows, weil sie das Album gehört haben und es mögen! Das spricht für sich.

Skalender:

Ich persönlich denke, dass das Album dominiert wird von schottischen Parts im Vergleich zu früheren Releases und die Vocal-Parts sind sehr stark und erinnert teilweise an Bad Religion. Was denkst du darüber?

Paul McKenzie:

Das ist witzig, da ich kaum Bad Religion höre und es somit nicht wirklich beurteilen kann. Es wäre etwas anderes, wenn ich sehr viel Bad Religion hören würde und ein grosser Fan von ihnen wäre. Ich kenne zwar einige Typen in der Band, aber ich höre sie mir kaum an. Die Ähnlichkeit zwischen mir und dem Typen, der für Bad Religion die Songs schreibt ist, dass er ein Geschichts-Professor ist und ich mich auch sehr für Geschichte interessiere. Und wenn dann jemand fragt, was man mit dem Song sagen will, sagt man: "Das ist etwas, das wirklich passiert ist!" Vielleicht kommen daher die Ähnlichkeiten der Vocals. Aber ich hatte nie vor, wie Bad Religion zu klingen, ich weiss nicht mal wie sie klingen.

Skalender:

Was waren die Bands, Erlebnisse oder Eindrücke, die dieses Album so gestalteten, wie es herauskam?

Paul McKenzie:

Das Machen unseres neuen Albums war wie ein Selbstverständnis. Wie planten, dass wir drei Wochen im Studio verbringen würden und schlussendlich verbrachten wir zwei Monate dort. Ich muss eigentlich auch für mein Geld arbeiten, halbe also keine silberne Löffel aber der wichtige Punkt ist, dass wir dann ein gutes neues Album hatten!

Skalender:

Habt ihr nie daran gedacht ein Album in Schottland einzuspielen?

Paul McKenzie:

Wir haben einen Tontechniker, der jedes Konzert aufnimmt. Auf unsrer nächsten Tour werden wir sicher auch viele Konzerte in Schottland spielen und aus den besten Aufnahmen ein Live-Album produzuieren.

Skalender:

Was sind die Hauptaussagen, die ihr mit eurem neuen Album machen?

Paul McKenzie:

Ich denke jeder Song spricht klar für sich und hat seine eigene Aussage. Jeder der es wirklich wissen will, soll sich die CD kaufen, sich hinsetzen, bei einem Bier die CD hören und das Booklet studieren.

Skalender:

Was sind eure Nebenprojekte? Musikalisch, Kulturell oder unterstützt ihr politische Organisationen?

Paul McKenzie:

Ehrlich gesagt, sind wir alle sehr beschäftigt mit den Real McKenzies. Wenn wir nach dem Touren wieder nach Hause kommen, müssen wir unserer normalen Arbeit nachgehen. Und viel planen für die nächste Tour, da wir jedes Jahr mindestens acht Monate unterwegs sind. Und meine politischen Projekte lebe ich jede Sekunde aus. Ein Song, der das ziemlich gut beschreibt ist "Culling the Herd" von unserem neusten Album. Aber ich denke jeder Punkrocker lebt und fühlt so!

Skalender:

Zu euren Wurzeln: Was sind die Ursprünge der Real McKenzies und eure damaligen Vorstellungen? Und inwiefern haben sich die Zeiten seither verändert?

Paul McKenzie:

In den Anfangszeiten war ich stark von keltischer Musik beeinflusst. Ich verliess meine Familie weil ich ein rebellischer Punkrocker war. Ein bisschen später hörte ich dann von einen traditionellen schottischen Sänger, aus einem anderen Raum kam Public Enemy und wieder aus einem anderen Raum die Sex Pistols. Da dachte ich: Das ist es! Und das war dann der Anfang.